Demut, 08.03.2017

Thomas LeßmannAschermittwoch verließ ich den Ökumensichen Gottesdienst in Aegidien nicht nur mit einem Aschekreuz auf der Stirn – sondern auch nachdenklich. Schlauer um sechs Kurzpredigten von Pastoren und Pastorinnen unterschiedlicher  Lübecker Kirchen (ACK). Schön und interessant war die Unterschiedlichkeit.

Ohne nun eine Predigt dieses Abends besonders herausheben zu wollen, möchte ich doch den Text von Pastor Thomas Leßmann (Ev. Methodistische Kiche) hier aufnehmen. Er hat ihn mir kurz vor seiner Reise nach Südafrika zur Verfügung gestellt. Dort wird er bei einem Kollegen hospitieren und unter anderen Bedingungen einen anderen Blick auf aktuelle Verkündigung werfen.Die Aschermittwoch-Predigt zeigt, was  passieren kann, wenn eine Kirche eine dominante Kirche ist und darum Macht bekommt (wie es auch uns Lutherischen geschehen ist):
Da kann es schnell passieren, dass sie die Macht ausübt und den Auftrag zur Demut vergisst.

Danke Thomas Leßmann, für den vorgehaltenen Spiegel!
Passionszeit 2017 – eine gute Zeit, demütig zu werden in einer von Hochmut beherrschten Welt.

Ökumene kirchenpolitisch

Als der Baptist Oncken in Hamburg missionierte, wurde das Geistliche Ministerium der Landeskirche initiativ und veranlasste, dass er regelmäßig von der Polizei einbestellt und des Landes verwiesen wurde. Thron und Altar gehörten noch zusammen. Angelsächsisches Gewächs und Frömmigkeit waren unerwünscht. Das ist 200 Jahre her.

Es ging Methodisten und freien evangelischen Gemeinden nicht anders: Versammlungsverbote, Gefängnis- und Geldstrafen, Landesverweise, Polizeiüberwachung und das Aufhetzen der Bevölkerung. Das ist 150 Jahre her.

Wer als Kind in die methodistische Sonntagsschule ging (aus der der landeskirchliche Kindergottesdienst erwuchs), dem konnte es passieren, dass mit Hilfe des lutherischen Pfarrers die Kinder, die am Sonntag bei den Methodisten waren, am Montag in der Schule die Prügelstrafe dafür erhielten. Das ist 120 Jahre her.

Als die international verbundenen Methodisten die Weimarer Republik, Demokratie und die Trennung von Staat und Kirche feierten, waren die Landeskirchen nicht „amused“ – verloren sie doch alle viele ihrer Privilegien. Das ist noch keine 100 Jahre her.

Zu internationalen vorökumenischen Tagungen kamen Methodisten aus Deutschland nur, weil das Ausland darauf bestand – die deutschen Landeskirchen wollten Baptisten und Methodisten nicht als Repräsentanten der Christen in Deutschland akzeptieren.Das ist 90 Jahre her.

Baptisten und Methodisten wurde in Teilen Deutschlands die Beerdigung auf einem evangelischen Friedhof verwehrt. Es mussten eigene Friedhöfe eingerichtet werden. Das ist 80 Jahre her.

Als Methodisten überlegten, sich der Bekennenden Kirche anzuschließen, verweigerten dies landeskirchliche theologische Gutachter, weil Methodisten ja nicht lutherisch-bekenntnistreu seien. Das ist 80 Jahre her

Wir freuen uns, heute sagen zu können: Das ist Geschichte. Toll, was seitdem geschehen ist!

Nach dem 2. Weltkrieg kam es zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (heute 349 Mitgliedskirchen weltweit) und das veränderte auch das kirchliche Klima in Deutschland: Heute gibt es offizielle gegenseitige Anerkennung zwischen Landeskirchen und Methodisten, Kirchentage werden mitgestaltet, im Diakonischen Werk und vielen Institutionen arbeiten wir selbstverständlich zusammen. In Europa wirken in der Gemeinschaft evangelischer Kirchen sogar 105 verschiedene (!) evangelische Kirchen gleichberechtigt zusammen.

Doch bleibt bei aller heutigen Wertschätzung und Achtung noch einiges zu tun.
Alte Vorurteile leben noch heute. Was nicht Landeskirche ist, ist Sekte – das begegnet mir auch noch im 21. Jahrhundert in Schleswig-Holstein.

Wer Religionslehrer werden will, braucht aufgrund überholter Staatskirchenverträge eine landeskirchliche Vokation. Noch bis vor 20 Jahren kam es vor, dass diese einzelnen Baptisten verweigert wurden. (Sie galten ja als Wiedertäufer.) …

Und wenn eine Erzieherin in einem lutherischen Kindergarten zu den Methodisten wechseln will, so kann es – wie noch vor 3 Jahren geschehen – zur Androhung der Entlassung von Seiten eines Pastors, eines Propstes und der Berufung auf das Kirchenamt kommen. Da hilft dann nur noch eine Intervention beim landeskirchlichen Bischof, um alles zurechtzurücken. Aber die hilft dann auch!

„Fazit“:
Die einstigen Mauern sind weg – nur hier und da trifft man noch auf einen Mauerrest. Man staunt noch mal und geht vorbei. Ein Museumsstück, an dem die Wende /Umkehr vorbeigegangen ist. Mit den anderen ist Gott schon viel weiter…

Blogartikel von Thomas Leßmann

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