Bericht Lawender Hill, 03.04.2017

v. l. Thorge, Marleen, Nicole, Louisa, BurkhardMarleen Ziebell aus Lübeck leistet zurzeit einen „weltwärts“-Freiwilligendienst in der NEW WORLD FOUNDATION in Südafrika.
Die Trägerorganisation ihres  Programms ist das ZMÖ – unser Nordkirchen-Missionswerk. Die Verantwortlichen dort wünschen sich, dass ihre Freiwilligen in den verschiedenen Ländern des globalen Südens, die in der Regel Ende Juli an ihre Einsatzorte kommen, erst nach Weihnachten Besuch von der Familie aus Deutschland bekommen. Die Erfahrung zeigte, dass die Gefahr des schlimmen Heimwehs sonst zu groß werden könnte.

So machte sich also – nach Weihnachten – die Familie Marleens auf – aus der Stadt Lübeck, um Marleen dort zu besuchen, wo sie grad nun grad zu Hause ist, und besser verstehen zu lernen, wie es ihr dort geht und was das Leben in der „anderen Welt“ mit ihr macht.
Lesen Sie selbst …. Ihr Rolf Martin

Begegnungen in der „New World Foundation“  in Lavender Hill, Kapstadt

Im Februar 2017 besuchten wir unsere Tochter Marleen in Lavender Hill, einer Township in Kapstadt, die sich vor Jahren die Planer des Apartheidsregime einfallen ließen, um „Schwarze“ und „Colourds“ aus den „weißen“ Gebieten fern zu halten.

Wohnblocks beherrschen das Bild, eingezäunt, in denen Menschen ohne die nötige Infrastruktur wohnen. Viele Kinder die hier leben werden von ihren Großeltern oder von ihren Müttern erzogen. Oft kennen Kinder ihre Väter nicht.
Es gibt viele „Illegale“, Menschen aus Malawi, Zimbabwe, Rhodesien oder Nigeria, die sich in Südafrika ein besseres Leben erhoffen.

Kinder kommen jeden Tag in die New World Foundation und besuchen den Kindergarten. Nach der Schule kommen Jugendliche, um zu spielen oder Hausaufgaben zu erledigen. Jedes Kind oder jeder Jugendliche bringt seine eigene Geschichte mit.

Ein Mittagessen gibt es hier und wenn die Kinder das Haus verlassen einen Apfel mit auf den Weg. Betty kocht für die vielen Kinder und Mitarbeitenden und erledigt auch noch den Abwasch.Die Mehrheit der  Leitungskräfte in der New World Foundation sind immer noch Weiße. Sie verdienen das meiste Geld, das in der Regel von Hilfsorganisationen aus Deutschland kommt.
Die Südafrikanische Regierung scheint freiwillig nur ungern Geld für diese Art sozialer Arbeit in einer Township geben zu wollen. Das reiche Land Südafrika ist immer noch ein geteiltes Land.

In Gesprächen mit Mitarbeitenden der New World Foundation wird deutlich, dass es sich hier um eine gefährliche Gegend handelt. Das freie Feld vor den eingezäunten Wohnblocks wird als „Battle Field“ (Schlachtfeld) bezeichnet. Hier fanden Schießereien zwischen einzelnen Gangs statt. Auch Marleen, unsere Tochter, wurde Zeugin eines solchen Schusswechsels, zum Glück aus sicherer Entfernung.

Uncle Wimpey, ein alter Afrikaner, fragt, ob wir mit ihm das Gefängnis zur Prayers Night besuchen wollen. Wir lassen ihm eine Kopie unseres Passes zugehen. Uncle Wimpey wird sich um die Formalitäten kümmern. Sein Job bei der New World Foundation wird beendet. Offensichtlich gibt es keine Fördermittel mehr, um ihn zu bezahlen. Dabei weiß Uncle Wimpey viel über die sozialen Verhältnisse vor Ort und leistet gute Arbeit.

Unsere Tochter Marleen wohnt auf der sogenannten „Farm“, nicht weit von der New World Foundation entfernt. Es handelt sich um ein großes, eingezäuntes und bewachtes Areal mit verschiedenen Häusern und einem Teich. Viele Vögel kommen hierher, um sich am Wasser niederzulassen. Auf der Farm wohnen die Freiwilligendienstler. Sie leben in einem Haus in einer Wohngemeinschaft. Marleen bewohnt ein kleines Zimmer, hat ein Bad für sich alleine.  Küche und Wohnzimmer teilt sie sich mit den anderen. Der Chef der New World Foundation hat in einem anderen Haus sein Büro. Die Buchhalterin hat nicht nur die Aufgabe die Finanzen zusammen zu halten. Von sich selbst sagt sie, sie sei die Frau für alle Anliegen auf der „Farm“.

Für ein Jahr wird Marleen hier wohnen und in der New World Foundation arbeiten. Es bereitet ihr viel Freude. Der Job ist aber auch anstrengend. Wir selbst konnten es erleben, als wir einen halben Tag hospitierten. Und wir konnten erleben, dass das gesamte Team sich sehr einsetzt, mit Engagement dabei ist und offensichtlich große Freude an der Arbeit hat.

Wir freuen uns, dass Marleen die Chance hat hier ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Marleen wird dadurch sehr viel für ihr eigenes Leben lernen und mitnehmen. Erfahrungen, die sie in der New World Foundation sammelt, werden sie in ihrem weiteren Leben begleiten – dass Gerechtigkeit ein gut ist, für das man hart arbeiten muss. Und vielleicht wird sie den Kindern aus dem Township selbst etwas mit auf dem Weg geben können. Vielleicht die Vision, dass Weiße und Schwarze zusammenleben können und es in Südafrika keine Townships mehr geben wird.

Möge es so kommen.

Blogartikel von Burkhard Ziebell

Ein Gedanke zu “Bericht Lawender Hill, 03.04.2017

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