Perspektivwexxsel zum Himmelfahrtstag, 24.05.2017

Himmelfahrt_Mein Vikariatsanleiter, Christoph Huppenbauer, hatte zum Himmelfahrtstag eine schöne Anekdote: In seiner ersten Gemeinde ließ er die Konfis mit der Suchfrage durch die Kirche streifen: Wie viele Bilder gibt es hier von Jesus?


Die richtige Antwort war: 24 und ½ … denn auf einem Bild war Jesus nur halb zusehen – nur noch die Füße und ein Teil der Beine. Das war das Bild der Himmelfahrt, so wie es sich ein Maler vorgestellt hatte, der die Beschreibung ganz wörtlich genommen hatte.

Heute wissen wir, dass es nicht so einfach ist, Aussagen zu verstehen. Viele haben etwas gehört von den „vier Seiten einer Nachricht“, oder man weiß, dass Aussagen immer kontextuell zu verstehen sind. Manches müssen wir berücksichtigen, wenn wir eine Nachricht aus einem anderen Kulturkreis  oder aus einer anderen Zeit zu verstehen suchen.
Grade aktuell ist die Wahrheit generell bedroht, weil man offen ausspricht, dass es auch in unserem Wahrheitssystem  „Alternative Fakten“ geben kann. Und wenn man im Internet surft, hinterlassen unsere politischen Ansichten (gefiltert aus unseren Suchanfragen) Spuren, die intelligente Algorithmen dazu nutzen, dass wir nur Internetseiten sehen, auf denen die Gleiche Sicht auf die Dinge widergegeben wird, die wir auch haben.

Da tut es gut, doch mal einen Blickwexxel vorzunehmen – anbei ein ganz schöner – zum Himmelfahrtstag, von einer schlauen Kollegin, die zum Glück auch meine liebe Ehefrau ist.
Ihr Rolf Martin

„Was? Jesus ist auf einer Wolke in den Himmel gefahren? Das geht doch gar nicht! Das glaube ich nicht!“ protestierte ich als 14jährige  im Religionsunterricht der 8ten Klasse. Zur Strafe musste ich vor die Tür….

Wenn wir heute in unserer Kirche das Fest Christi Himmelfahrt feiern, tun wir es, weil von Jesu Freunden tatsächlich dieses Unglaubliche erzählt wurde (erstes Kapitel der Apostelgeschichte): „..und Jesus wurde zusehend aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg und sie sahen ihm nach, wie er gen Himmel fuhr….“

In den vielen Jahren meines Lebens habe ich gelernt: Was hier beschrieben wird, will nicht physikalisch erklärt werden. Denn man kann solch große Erfahrung nicht in Realitäts-Worte fassen. Diese Worte beschreiben eine Wirklichkeit, die „dahinter“ liegt,  die jedoch so überwältigend ist, dass sie Denken und Tun radikal verändert. Jesu Freunde „sahen“ damals, dass der Himmel ungebunden von Zeit und Raum ist, einfach hier und jetzt. Und sie machten sich auf den Weg, diesen Himmel auf Erden zu bezeugen. Sie heilten in Jesu Namen Kranke und erzählten denen, die sich von Gott und der Welt verlassen fühlten, wie sehr Gott sie liebt. Ich erahne etwas von solcher himmlischen Wirklichkeit in all den kostbaren Momenten, in denen mich etwas „aus heiterem Himmel“ besonders anrührt. Dann fühle ich mich eine kleine Ewigkeit lang ganz verbunden mit allem, was ist. Plötzlich weiß ich genau, was meine innere Wahrheit ist.

Ja, das ist mein Auftrag! Das ist mein Weg!

Daran kann ich heute glauben: Eines Tages werde ich Jesus in den Himmel folgen und ganz im Bewusstsein dieser Wirklichkeit sein. Und ich muss nicht mehr vor die Tür!

Blogbeitrag von Marion Böhrk-Martin, Pastorin TelefonSeelsorge Lübeck

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s