Man muss doch irgendetwas tun!, 01.06.2017

AnupamaWer kennt ihn nicht, diesen Gedanken und diesen Satz: Da muss man doch irgendetwas tun!

Wenn etwas geschehen ist, was mich empört, wenn mir mal wieder deutlich wird, das Menschen Unrecht geschieht und ich das nicht einfach so akzeptieren will. Dann finde ich das auch.

Zugegeben: Mich hat in letzter Zeit vieles empört. Da will ich hier gar nicht mit der Aufzählung anfangen. Doch statt zumindest häufiger mal „irgendetwas zu tun“ bin ich ziemlich häufig beim  „nichts tun“ hängen geblieben, jedenfalls in Bezug auf die akuten Empörungen.

Doch das soll nun anders werden, denn der Kirchentag hat mich verändert: Nicht dass ich dagewesen wäre. Aber mich haben begeisterte Berichte von verschiedenen Teilnehmenden erreicht. Und der Hinweis: „Bei der Abschlusspredigt von Thabo Makgobe (der anglikanische Erzbischof von Kapstadt) hatte ich Pipi in den Augen. Der hat mich mit seinen Worten erwischt!“  – hat mich nachforschen lassen, was der denn gesagt hat. (Wenn es interessiert – hier findet man die Predigt: https://www.evangelisch.de/inhalte/144067/28-05-2017/die-predigt-von-erzbischof-thabo-makgoba-zum-abschlussgottesdienstes-beim-kirchentag-2017)

Mich hat eine Passage besonders erreicht: Makgoba  fordert besonders die jungen Menschen heraus, die Schreie von Menschen zu erhören, die von Ungerechtigkeit und Verletzungen ins Leid gestürzt sind, so wie Gott sie hört. Und er bete für diese jungen Menschen, dass sie radikal reagieren können und bereit werden in Liebe auf die Schreie aus Not zu reagieren. Und auch wenn sie um ihre Beschränktheit wissen und darin leben müssen, dennoch sollten sie  irgendetwas aus Liebe tun – oder zumindest eine Sache … um Christi willen (in englisch:  Even if you feel that you are seeing the challenges only dimly, please do something, at least one thing, for love’s sake, for dignity’s sake, for freedom’s sake, for Christ’s sake.)

Ja, das gefällt mir. Es ist eine gute Strategie: Nicht in Aktionismus verfallen und meinen irgendetwas tun zu müssen, sondern „eine Sache zu tun“ um der Liebe Christi willen – für die, die bedrängt werden. Ja! … Los … und nicht nur junge Leute

Darum füge ich hier das Bild von Anupama Hial an. Sie ist Pastorin unserer indischen Partnerkirche. Das Foto zeigt sie, wie sie auf dem Kirchentag das Abendmahl einsetzt. Das finde ich sehr gut! Und dies ist mein Standpukt mein „one thing“ gegen Haltung zum Beispiel der Evangelisch Lutherischen Kirche Lettlands, die sich dagegen stellt, dass Frauen das Amt der Pastoren ausüben dürfen. „Das ist nicht richtig!“, sage ich hiermit.

Darum weise ich hier auf einen sehr unsachlichen Angriff der AFD Spitze auf Margot Käßmann hin. Ihr wird vorgeworfen, selber Rassistin zu sein, indem man ihre Äußerungen aus dem Zusammenhang reißt bzw sie gleich falsch zitiert. So gehen Auseinandersetzungen nicht (vergl.
https://www.evangelisch.de/inhalte/144060/28-05-2017/kaessmann-erwaegt-rechtliche-schritte-gegen-falsche-zitate-ihrer-afd-kritik)

Darum weise ich hier darauf hin, dass die erste Kirchenleitung der Nordkirche sich für einen Bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan einsetzt  und darum als „one step“  sie die Innenministerkonferenz (IMK) auffordert, im Rahmen ihrer nächsten Sitzung (12. bis 14. Juni) in Dresden einen entsprechenden Beschluss zu fassen. Und ich weise darauf hin, dass beide Pröpstinnen unseres Kirchenkreises als „one step“ zu den Erstunterzeichnenden eines Aufrufes zu der Landesweiten Demonstration für ein Bleiberecht für alle Afghaninnen und Afghanen Aufruf zur landesweiten Demonstration am 10. Juni 2017 – 12:00 Uhr – Hauptbahnhof Kiel gehören.

Solche „one steps“ im Sinne von Erzbischof Makgobe finde ich klasse. Und ich kann diese Haltung gut verbinden mit einem Wunsch – einem Gebet für das nahende Pfingstfest: Möge die Heilige Gesitkraft uns mit Einsicht und Mut und Energie beflügeln, auch in Situationen von allgemeinen alltäglichen Anforderungen – immer bereit zu sein für „at least one thing“ .

Ich wünsche ein gesegnetes und in diesem Sinne politisches Pfingstfest und erinnere daran:

Es ist besser den ersten Schritt zu tun als über den langen Weg zu klagen.
und
Es ist besser eine Kerze anzünden als über die Dunkelheit zu klagen.
Und
Es ist besser, auf die Plastiktüte zu verzichten, als nur darüber zu klagen, dass sich die USA wohl aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen werden.
und
Es ist besser, uns gegenseitig mit unserer Liebe zu segnen und gemeinsam Abendmahl zu feiern, als auf das zu schauen, was uns möglicherweise doch trennen könnte.
So verstehe ich diesen schönen Satz aus der Predigt Makgobes: My prayer is that you will be radical; that you will give love away – even as you recognise your frailties and limitations, even if you are daunted by the enormity of the task of transforming the world.

Ihr Rolf Martin

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